Maifliegen an der Blau – die schönste Zeit zum Fliegenfischen

Wenn die Maifliegen an der Blau schlüpfen, dann sollten Sie die richtigen Muster dabei haben. Denn die Maifliegen an diesem Gewässer sind groß und viele.
Markus Kunter war für Sie dort.

Wenn die Maifliegen an der Blau schlüpfen, dann ist dies für viele die schönste Zeit zum Fliegenfischen. Markus Kunter hat das Gewässer bei Ulm besucht.

Wenn die Maifliegen an der Blau schlüpfen, dann ist dies für viele die schönste Zeit zum Fliegenfischen. Markus Kunter hat das Gewässer bei Ulm besucht.

Maifliegen an der Blau sind wie gelbe Spatzen

Wenn es darum geht, den Daheimgebliebenen etwas vom letzten Angelausflug zu berichten, dann hat man den Eindruck, dass die Fische immer größer werden, je weiter man vom Fischwasser in Richtung Heimat kommt. Und die Fliegen, mit denen diese gefangen wurden, werden noch spezieller, als sie es ohnehin schon waren. Kennen Sie das? Ich schon. Dieses Erlebnis machte ich, als ich von meinem Freund Erich, mit dem ich die Leidenschaft des Fliegenfischen seit über 30 Jahre teile, letztes Jahr eine Geschichte erzählt bekam. Er war im vergangenen Jahr Zeuge eines unglaublich enormen Maifliegenschlupfs an der Blau bei Ulm geworden.
Er hatte mir seine Geschichte von „wahren Ungeheuern“ und „Maifliegen, groß wie Spatzen“ nicht zu Ende erzählt, da wollte ich gedanklich bereits mindestens die Hälfte an der Geschichte abziehen. So kam es, dass wir wieder einmal einen Ausflug zum Fliegenfischen planten und ich mich an die Geschichte mit den riesigen Fischen und den dazugehörigen „gelben Spatzen“ von Erich erinnerte.
Da ich die Blau ja schon einige Male besucht habe, wusste ich, dass es fast unmöglich ist, spontan Tageskarten zu bekommen und deshalb reservierte ich diese schon drei Monate vorher bei Förg Angelgeräte in Ulm. Ich wusste zudem, dass es an der Blau nicht einfach war, mit Trockenfliegen die Fische zu überlisten. Und ich wusste auch, dass die Fische dort viel zu fressen haben und deshalb an Imitaten nicht sonderliches Interesse zeigen. Deshalb studierte ich erneut die einzelnen Stadien der Maifliegen und entschloss mich dann bei unserem nächsten Besuch, der wohl in der besten Zeit des Maifliegenschlupfs sein sollte, für eine Imitation der Maifliegennymphe.
Mir fielen die Geschichten über die Maifliegen an der Blau wieder ein, welche mir mein Freund Erich erzählt hatte. Deshalb wollte ich es auch noch einmal genau wissen und ließ es mir von ihm erneut bestätigen, dass die Exemplare dort von sehr stattlicher Natur sein sollen.

Wie, zu klein? Diese Maifliegen sind auf Hakengröße 10 gebunden!

"Die Maifliegen an der Blau werden groß wie gelbe Spatzen" – mit diesen Worten im Ohr fing in mich dem Fliegenbinden an.

“Die Maifliegen an der Blau werden groß wie gelbe Spatzen” – mit diesen Worten im Ohr fing in ich mit dem Fliegenbinden an.

 
So begann ich mit einem Scud-Haken der Größe 10 meine ersten Versuche, eine schwimmende Nymphe nachzuahmen. Zur Sicherheit legte ich Erich jeden Prototypen zur Begutachtung vor, immer in der Hoffnung, dass dieser passt. Doch über viele Varianten hinweg kam jedes Mal nur die Aussage  „Ja, fast, nur größer“ oder „Sieht gut aus, aber halt zu klein“. Zu klein? Bei Hakengröße 10? Nun, wie dem auch sei, ich begann von neuem und diesmal mit einem Haken in Größe 6. Und diesmal nahm ich keinen Scud-Haken, sondern einen gebogenen Haken. Zugegeben, es ist schon seltsam, wenn die Nymphen so groß sind, dass diese gleich drei Reihen in der Fliegendose belegen …
Die Zeit verging und der Tag der Tage kam immer näher – und mit ihm auch die Frage: Fange ich mit diesen riesigen Dingern wirklich was? Oder hat sich mein Freund einen Spaß erlaubt? Seinem Gesichtsausdruck war in dieser Hinsicht nichts zu entlocken.

Kaum löste sich die Maifliegennymphe vom Grund …

Blauer Himmel über der Blau bei Ulm – und 30 Grad im Schatten! Ob die Maifliegen und Forellen das mögen?

Blauer Himmel über der Blau bei Ulm – und 30 Grad im Schatten! Ob die Maifliegen und Forellen das mögen?

Dann war der Tag gekommen! Bei 35 Grad im Schatten, einem fast wolkenlosen Himmel und einer absolut glatten Wasseroberfläche stand ich am Ufer dieses legendären Wiesenbach und dachte mir: Ob diese Vorbereitung auf diesen Tag die richtige war?
Ich nahm also eines dieser schon fast unhandlichen großen, hellgelben Dingern in die Hand und befestigte es am Ende des Vorfachs.
Schon nach einigen Würfen höchster Konzentration und dem Gefühl, man verbrennt gleich in der Sonne wie ein Vampir, setzte ich meine Polbrille auf und bemerkte, dass sich in Grundnähe Forellen bewegten. Ich präsentierte die Nymphe weit stromauf und machte ein Mending. Die Nymphe hatte ich nur durch schwarze Kettenaugen beschwert. Durch das Mending hatte sie genügend Zeit, in der langsamen Strömung in Grundnähe zu kommen. Als sie etwa auf meiner Höhe angekommen war, ließ ich die Nymphe ganz langsam aufsteigen. Als sich die Nymphe vom Grund gelöst hatte, kam aus dem Nichts eine Regenbogenforelle mit rund 45 cm Länge und inhalierte die Nymphe! Wirklich, dieses Vehikel in Größe 6, das so viel Platz in der Dose verbraucht! In diesem Moment hatte genau dieses Teil den Platz Nummer eins auf meiner persönlichen Lieblingsmuster-Liste eingenommen. Vom hässlichen Entlein zum Schwan in Sekunden. Ich konnte es kaum glauben. Doch dann stellte sich mir die nächste Frage – Zufall?

Zum Glück fische ich mit einem Vorfach der Stärke 0,18

Eine Maifliege-Nymphe ORVIS überlistete diese Regenbogenforelle. Der Bann war gebrochen.

Eine Maifliege-Nymphe überlistete diese Regenbogenforelle. Der Bann war gebrochen.

Um das herauszufinden, wechselte ich meinen Standplatz. Ich bezog Quartier an genau der Stelle, an der mein Freund Erich zuvor war. Etwas beengt durch die Bäume links und rechts versuchte ich den „Schwan“ wieder flussaufwärts ins Wasser zu lassen. Kurzes Mending hinterher und ganz gespannt warten, was passiert. Just in dem Moment tauchte mein Freund Erich wieder auf und meinte, er hätte bereits an dieser Stelle vor einigen Minuten eine stattliche Regenbogenforelle gehabt. Ohne Beachtung und Reaktion trieb währenddessen die große Nymphe erfolglos über den Grund. Ein erneuter Versuch, jetzt mit höchster Konzentration.
Die Nymphe hob sich vom Grund und wieder war ein vehementer Biss zu spüren! Das Wasser ist an diese Stelle aber deutlich tiefer, sodass ich nicht sehen konnte, was derart Lust auf meine Göttin der Nymphen hatte. Weil meine Nymphe so groß war und ich auch vermutete, dass auch größere Fische in der Blau anzutreffen sind, habe ich als Vorfachspitze 0,18 mm gewählt. Dies entpuppte sich als richtige gute Entscheidung, als ich sah, dass es sich um eine wirklich wunderschöne und richtig große Bachforelle handelte. Nun war ich mir sicher, dass diese Nymphe fängt!

Mitten im Maifliegenschlupf – das muss man an der Blau erlebt haben!

Den Schlupf der Maifliegen an der Blau muss man einmal erlebt haben!

Den Schlupf der Maifliegen an der Blau muss man einmal erlebt haben!

 
So ging es dann auch den ganzen Tag mit der gleichen Technik weiter und es wurden immer mehr Forellen, die der Nymphe nicht widerstehen konnten. Am Spätnachmittag nahm das Ganze aber eine Wende!
Ich sah etwas, was ich noch nicht einmal in Büchern gesehen habe – der volle Schlupf der Maifliegen an der Blau setzte ein! Wo vorher das Wasser spiegelglatt seine Bahnen nahm, dort war das Wasser übersät mit leeren Hüllen von Maifliegen in unglaublicher Länge von fast bis zu 5 cm! Und es war eine derartige Anzahl an Maifliegen in der Luft, die es unmöglich machte, diese zu zählen. Und plötzlich begann das große Fressen! Überall zeigten sich Forellen an der Oberfläche und in ihrem Fressrausch durchbrachen sie die Oberfläche und sprangen nach Maifliegen, die einfach eine gigantische Größe erreichten. Es waren wirklich animalisch große Exemplare!
In der Hoffnung, eine dieser steigenden Forellen mit meiner Nymphe zu erwischen, wurde ich eines Besseren belehrt. Es waren nämlich nicht mehr die aufsteigenden Nymphen, die genommen wurden, sondern Emerger im Oberflächenfilm. Die absolut hilflosen schlüpfenden Maifliegen standen ganz oben auf der Speisekarte der Forellen. Allein dieses Spektakel mit eigenen Augen zu sehen, war extrem lehrreich und ein absolutes Erlebnis, was ich nicht mehr vergessen werde.
Wenn mich jemand zukünftig nach der Mailfliegenzeit an der Blau in Ulm fragt, dem werde ich also eine Geschichte von Maifliegen an der Blau, so groß wie Spatzen erzählen – und er wird sicherlich die Hälfte der Geschichte in Gedanken abziehen.
Ich werde ganz sicher wieder dort sein, im nächsten Jahr, zur Maifliegenzeit. Und in meiner Fliegendose wird, neben der Göttin der Maifliegennymphen, ganz sicher auch ein neuer Prototyp eines Maifliegenemergers sein.
Weitere Information zum Fischen an der Blau erhalten Sie bei dem ORVIS-Händler www.foerg-flyfishing.de
Oder selbstverständlich von unserem ORVIS Endorsed Guide Markus Kunter
 

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