Gerätebesprechung Fliegenruten: ORVIS Superfine Carbon – 763-4 Full Flex (7’6″/#3/4tlg.) aus dem Fliegenfischer-Forum


Einmal mehr schickte der US-amerikanische Traditionsfliegenrutenhersteller ORVIS seine beliebten Superfine Fliegenruten in die Kur und präsentiert uns nach den Superfine Trout (2007 und früher), den Superfine Touch (2012) und den Superfine Glass (ab 2014) nun in 2015 als Nachfolger der Touch die neuen Superfine Carbon. Superfine Fliegenruten gehören seit etlichen Jahren erklärterweise zu unseren absoluten Lieblingsruten fürs feine Äschen- und Forellenfischen am Bach und kleinem Fluss, mit ihnen haben wir schon unzählige schöne Stunden am Wasser beim Fischen & Fangen verbracht. Schon deshalb sind wir stets gespannt auf neue Superfine Rutenentwicklungen….
Die Superfine Carbon Fliegenruten setzen auf die Qualitäten der Superfine Touch, sie kommen also z.B. mit feinen, ungeschliffenen Blanks, zarten Korkgriffen in höchster Güte und mit einer schön fischigen, durchgehenden Aktion, sind aber in Sachen “Glanz & Glimmer” ein gutes Stück zu einer unverfänglichen Schlichtheit zurückgerudert: auf Gold & Nickel Optik, Edelholz Spacer und rote Bindungen wurde verzichtet, nicht aber auf höchste Qualität. Die Superfine Carbon Ruten kommen in Dunkelgrau “Graphite”, mit transparenten Bindungen und leichten silbernen SRH mit Korkeinlage. Auch erfreulich: das Preisniveau liegt in etwa beim Vorgänger Touch.
Orvis Superfine Carbon Fliegenruten gibt es in 12 verschiedenen Full-Flex-Modellen von Schnurklasse #1 bis #5 und in den Längen 6’0″ bis 8’6″. Alle Modelle kommen viergeteilt und kosten einheitlich 469 Euro (Stand Sommer 2015).
Unser Testmodell war eine Orvis Superfine Carbon in der Länge 7’6″ und der Schnurklasse #3.


Ausstattung und technische Details:
Teilung, Maße und Daten:
Vierteilige Fliegenrute, Länge 7’6″ (zusammengesteckt und nachgemessen 230 cm), vier gleichlange Teile a. 61,3 cm. Rutengewicht: 55 Gramm. Angegebene Schnurklasse: #3, Blankdurchmesser über dem Griff: 6,8 mm. Blankdurchmesser an der Rutenspitze: 1,5 mm. Rutenrohr Länge: 66 cm, Rutenrohr Leergewicht: 345 Gramm.
Ausstattung:
Die Superfine Carbon besitzt einen sehr schlanken und leichten, dunkelgrauen, ungeschliffenen und dünn glanzlackierten Blank aus hochmodulierter Kohlefaser. Die Verbindungen der Rutenteile sind als passgenaue Überschubverbindungen mit beidseitigen Punktmarkierungen ausgeführt, sie greifen von unten nach oben gemessen 54; 51 und 50 mm ineinander. Die Oberseiten der einzelnen Teile wurden gegen eindringenden Schmutz, Nässe etc. abgedichtet. Silberne Beschriftung auf dem Blank am Handteil überm Griff.
Beringung: Handteil ohne Beringung, mit einer feststehenden Fliegeneinhängeöse in Rollenflucht, 2.Teil mit einem gefütterten Dreibein-Ring und einem Schlangenring, 3.Teil mit drei Schlangenringen, Spitzenteil mit vier Schlangen- und dem Spitzenring. Die Ringdurchmesser und Drahtstärken sind der feinen Schnurklasse gut angepasst, sie wurden mehrfach abgestuft. Alle Schlangenringe und der Spitzenring kommen in Hardchrome. Ring- und Zierbindungen transparent in Rutenfarbe. Eine Zierwicklung in Silber am unteren Ende des dritten Teils, zwei weitere silberne Zierwicklungen fassen den Schriftzug am Handteil ein. Alle Bindungen wurden sauber lackiert und gründlich versiegelt.
Griff: Kurzer Korkgriff (Form Zigarre), 15,7 cm lang (plus sanfter Übergang zum Blank oben +0,9 cm), aus 5mm-Korkscheiben in hervorragender Qualität.
Rollenhalter: Leichter Schraubrollenhalter aus Aluminium in Silber, griffwärts wirksam, Schraubweg 30 mm, mit einer Einlage aus Kork.
Sonstiges: Die Lieferung erfolgt im Futteral und im hochwertigen ORVIS-Aluminium-Rutenrohr mit Schraubkappe. Es gilt die 25-Jahre ORVIS Vollgarantie gegen jegliche Art von Bruch.
Ruten-Preis: 469,00 Euro

Nähere Betrachtung und Praxistest:
Die vor uns liegende, sehr leichte und zierliche Superfine Carbon gefällt ebenso wie bereits ihre Vorgänger auf Anhieb. “Farblich” kommen hier lediglich die Graphite-Töne der Rute zur Geltung, gemeinsam mit den transparenten Bindungen, dem silbernen Rollenhalter und dem erlesenen Kork des Griffes steht ihr das ausgesprochen gut! An der Ausstattung und der Verarbeitung der ganzen Rute gibt es einmal mehr nichts zu bemängeln, der Blank ist gerade und fehlerfrei, sowie sauber lackiert, alle Ringe sitzen gerade in der Flucht, die Ring- und Zierbindungen wurden sauber lackiert und gründlich versiegelt. Der hochqualitative Korkgriff besteht aus 5mm-Korkscheiben und weist keine nennenswerten Löcher und Kittstellen auf. Der Griff liegt mit seiner schlanken Form sehr gut in der Hand, er ist zwar kurz, für diese feine Rute jedoch ausreichend lang und auch vom Durchmesser her gut dimensioniert. Die Zeigefinger- bzw. offene Daumen-Zeigenfingerhaltung wird durch die sanft nach oben verjüngte Griffabstufung unterstützt. Der leichte, griffwärts wirkende Alu-Schraubrollenhalter hält die Fliegenrolle sicher, er passt sehr schön zur Rute, sein Spacer aus Kork komplettiert diese Rute sehr schön. Zusammengesteckt wird die Superfine Carbon mit sehr gut passenden und daher bestens funktionierenden Überschubverbindungen. Erleichtert wird das Ausrichten beim Zusammenstecken der einzelnen Rutenteile durch beidseitige Punktmarkierungen. Die Verbindungen halten die Rute auch bei stundenlangen Fischen sicher zusammen, ohne nachträglich festgestellt werden zu müssen. (Kleiner Tipp am Rande, der für alle Fliegenruten mit Steckverbindungen gilt: Ich habe mir angewöhnt, stets ein klein wenig Rutenwachs auf den Steckverbindungen zu verwenden, dies erleichtert das Handling sehr, die Einzelteile halten “leicht saugend” und sicherer zusammen und beim Auseinandernehmen der Rute nach dem Fischen sind solche Sachen wie “Hülsenklemmer” ausgeschlossen. In der Regel reicht die Behandlung mit Rutenwachs ein- bis zweimal pro Saison aus.)

Die Eigenschaften unserer Testrute beim Wurf und Drill liegen erwartungsgemäß nahe bei denen des Vorgängermodells, sind aber durch die hier einen Grad niedrigere Schnurklasse noch sensibler. Die Superfine Carbon fühlt sich sehr leicht an, bestückt mit einer #3er DT- oder WF-Fliegensschnur lädt sich die Rute schon auf kurzen Distanzen sehr schön auf und ermöglicht so ein Agieren auf engem Raum. Die Full Flex Aktion beschreibt die Rute als solche mit durchgehender Aktion, dies kommt ihrem Einsatz auf Nah- und Mitteldistanzen ebenso zu Gute, wie auch beim Drillgefühl: hier spürt man jeden Fisch am Band und seine Bewegungen bis ins Handgelenk herunter, das ist phantastisch! Die stets mit sichtbar vollem Blankeinsatz dynamisch arbeitende, mittelschnelle Rute erlaubt beim Fischen die ganze Palette: mit Trockenfliegen, Nymphen, bis hin zu kleinen Streamern lassen sich schnelle, präzise “Attacken” genauso gut bewerkstelligen, wie ganz sanfte Präsentationen und unauffälliges Ablegen der Fliege. Durch ihre Sensibilität, Feinheit und Kürze lassen sich diverse Würfe, Rollen und Switchen, sowie das Drillen auf engstem Raum ausführen. Das macht sie zum idealen Partner besonders für kleine und schwierige Gewässer. Gerade auch beim Drill offenbart die Rute hier Qualitäten, die mit einer längeren, stärkeren oder dickeren Rute niemals auf diese Weise fühlbar wären… Trotz ihrer Zierlichkeit verfügt die Rute über genügend Power und Zähigkeit, um auch mit stärkeren Fischen im Drill rasch fertig zu werden. Haupteinsatzgebiet dieser Rute sind die kurzen Distanzen von 5 bis 10 Metern, diese lassen sich geradezu spielend und mit geringstem Aufwand abdecken. Wenn es sein muss, lassen sich mit der Superfine Carbon jedoch auch Wurfweiten bis an die 20 Meter bedienen und kontrollieren.

Fazit: Wir empfinden auch die neue Superfine Carbon als äußerst gelungene Neuauflage einer legendären Fliegenrute. Ausstattung, Optik, Verarbeitung und Leistungen stehen außerhalb jeden Zweifels und lassen keine Wünsche offen. Diese Bachrute ersten Ranges sorgt einfach für maximalen Fischerspaß an Bächen und kleinen Flüssen – und sieht dazu noch super aus – zwar schlicht, aber fein! Mit ihrer kurzen 4er Teilung passt sie in jeden Daypack und die umfassende Orvis-Vollgarantie macht den Rutenkauf zur Lebensanschaffung.
Quelle: www.fliegenfischer-forum.de

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