Die Manfred Raguse Kolumne im März

Liebe Orvis-Freunde!
Die meisten von uns haben dem Saisonbeginn an einer Vielzahl von Gewässern entgegen gefiebert. Die tote Zeit ist nun für viele vorbei. Wer kennt sie nicht, die etwas kopflosen Besuche im Angelladen noch kurz vorher, weil noch dieses oder jenes fehlt, um den ersten Besuch am Gewässer mit vollständiger Ausstattung genießen zu können. Dies wiederholt sich alljährlich und der Fachhändler, der sich darauf gut vorbereitet hat, kann die spontanen Wünsche seiner Kunden unmittelbar erfüllen. Bei mir selbst hält sich die vorsaisonale Aufregung diesmal in Grenzen – kein Wunder – denn ich war schon unterwegs!
 

Diese schöne Regenbogen konnte ich bei meinem Aufenthalt am Jurassic Lake in Patagonien (Argentinien) Anfang Februar fangen.

Ich habe eben eine Schwäche dafür, aus unserem inzwischen meist schmuddeligen Winter, ab in den Frühling, bzw. in den Sommer zu fliegen. Und auch diese Reise hat wieder ganz viel Spass gemacht. Für die erste Woche ging es über die Flugroute Hamburg – Buenois Aires – Commodoro Rivadavia an den Jurassic Lake, der eigentlich Lago Strobel heißt. Dieser, mitten in der patagonischen Steppe liegende See, hat einen selbst reproduzierenden Stamm großwüchsiger Regenbogenforellen, die in großer Zahl bis zu Stückgewichten von über 10 Kilo abwachsen und die mit Trockenfliege, Nymphen und Streamern gefangen werden. Das Geheimnis hinter dem enormen Wachstum dieser Fische liegt im aussergewöhnlich reichhaltigen Insekten-Nahrungsangebot im See.

Die neue Orvis Covert 908 und die neue Mirage Rolle (made in USA) im ersten Licht morgens am Jurassic Lake. Diese Kombination, teils mit Power Taper, teils mit der Bank Shot gefischt, machte mich beim oft heftigen Wind wunschlos glücklich.

Obwohl der Februar zur Nebensaison gezählt wird, die lange vorausgegangene Zeit ohne Regen den See auf ein Minimum reduziert hatte und der Rio Barrancoso bis auf einen Pool im Nahbreich praktisch unfischbar war, erlebten wir eine wunderbare Fischerei auf Regenbogenforellen in allen Größen. Unter den gegebenen Bedingungen waren die Chancen auf die großen, blanken Regenbogen im See selbst am besten. Hier lagen sehr produktive Partien in unmittelbarer Nähe der Lodge. Insbesondere ist der Einlauf des Rio Barrancoso zu nennen, der vielleicht der produktivste Bereich ist, weil dieser der einzige relevante Bach ist, der in den See mündet. Und hier laichen auch die Fische. Aber auch eine Halbinsel, die zum Teil von der Lodge aus sichtbar ist, und in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar ist, erwies sich als sehr fischhaltig. Insbesondere die Bucht auf der linken Seite füllte sich häufig bei auflandigem Wind mit zahlreichen großen Fischen (Trupps um die hundert Fische!) , die im durch den Wind angetrübten Wasser nach Muscheln und Krebschen suchten und dabei anscheinend immer wieder dieselbe Wanderroute benutzten.
Im Rio Barrancoso gab es einen Pool, ebenfalls bequem in nur wenigen Minuten zu Fuß erreichbar, den wir „Aquarium“ nannten. Sie können sich schon denken warum: er war vollgestopft mit steigenden und nymphenden Fischen. Es sei nur gesagt, dass wir hier mit Trockenfliegen und Nymphen viele Fische bis gut 5 kg Gewicht landen konnten. Einige größere gingen im Drill verloren. Die Fische im Rio waren sehr farbenprächtig, aber schlanker, als die großen Blanken im See, weil sie wohl schon eine Weile im Fluss waren. Im See fischte ich in windstillen Phasen mit der 906 Helios 2 Rute, der neuen kleine Mirage ll Rolle und Power Taper Schimmschnur. Die anderen 8 Ruten in meinem Gepäck wurden nicht benötigt. Nach einem Gespräch mit zwei am See tätigen Biologen, die u.a. eine Probe mit den wichtigsten Nahrungstierchen im Glas genommen hatten , war die Frage der richtigen Scud-Imitation nachhaltig gelöst…

In windstillen Phasen mit der 906 Helios 2 Rute, der neuen kleine Mirage ll Rolle und Power Taper Schimmschnur.

Den Lesern meiner Kolumnne vom letzten Monat möchte ich nicht die Antwort schuldig bleiben, ob ich es geschafft habe, meinen persönlichen Rekord auf Regenbogenforelle (Schweden 1990, 6,9kg Gewicht) zu überbieten. Ja, es hat geklappt, Meine größte Regenbogen aus dem Jurassic Lake haben wir auf ca. 8kg geschätzt. Nach einer grandiosen Woche am Jurassic Lake ging es mit dem Auto weiter zum Rio Gallegos. Nach ca. drei Stunden über holprige Steppenwege, die ich wegen der gut gefederten Geländewagen fast durchgeschlafen habe, ging es für gute 3 – 4 Stunden auf einer glatten Asphaltstraße weiter. Am Rio Gallegos wurden wir in der erstklassigen Las Buitreras Lodge von den einfühlsamen und ständig hilfsbereiten Angestellten mit einem prächtigen Willkommensessen und dem gehaltvollen Rotwein des Hauses begrüßt.
Es folgte eine Woche Fischerei auf Meerforellen und Bachforellen in grandioser Umgebung. Obwohl auch hier Niedrigwasser herrschte, fingen wir schon vom ersten Abend ab schöne Fische.

Meine erste Meerforelle am Rio Gallegos war 78 cm lang und wog ca. 6 kg.

Schön war es zu sehen, dass im Laufe der Woche auch sehr durchschnittliche Fischer sehr gut fingen. Die zu Las Buitreras gehörende Strecke ist 42 km lang. Die neun Ruten in unserer Woche hatten also eine sehr exklusive Fischerei. Natürlich spielt – wie fast überall in Patagonien – der Wind eine wichtige Rolle. Aber durch die weitläufige Strecke und sehr kundige Guides wird es den Gästen ermöglicht, immer nur die unter den jeweiligen Wetterbedingungen besten Pools von der „richtigen“ Seite aus zu befischen. Über die Erfahrungen am Jurassic Lake und am Rio Grande lesen Sie bitte in Kürze mehr auf www.internationalflyfishersclub.com  Dort gibt es auch konkrete Informationen über die Reisemöglichkeiten an diese beiden tollen Destinationen, an denen wir übrigens alle Fische schonend wieder zurücksetzten.
Wieder zurück am Schreibtisch in Hamburg wartete erstmal viel Arbeit, aber ich hoffe, in der ersten Märzwoche an einen unserer heimischen Bäche zu gehen. Mein Assistent Thies wird mit Sicherheit an die Küste gehen. Von unseren Orvis Händlern an der Küste hören wir, das hier und da Fische gefangen werden. Aber die Wassertemperatur ist mit ca. 3°C noch immer sehr niedrig und auch die Nachttemperaturen zwischen 2 und 4°C sind nicht optimal. Das wird sich sicher bald ändern. Ich hoffe, Sie finden ebenfalls die Möglichkeit, im März an Ihre Gewässer zu gehen. Die Möglichkeiten sind vielfältig.
Eine schöne Zeit im März am Wasser wünscht Ihnen, Ihr
Manfred Raguse

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